Bertelsmann – My Neighborhood Circles

Wie BSI soziale Nähe als kuratiertes Vertrauenssystem im lokalen Raum neu gedacht hat

Ausgangspunkt

Digitale Netzwerke hatten Reichweite skaliert – aber Nähe entwertet.
Plattformen verbanden Menschen global, während lokale Beziehungen zunehmend unsichtbar wurden. Nachbarschaften existierten physisch, aber sozial fragmentiert: Man lebte Tür an Tür, wusste aber wenig voneinander. Hilfe, Austausch und Vertrauen entstanden zufällig – nicht strukturell.
Gleichzeitig veränderte sich die gesellschaftliche Erwartung an Medien- und Plattformanbieter. Marken sollten nicht nur Inhalte distribuieren, sondern Orientierung geben, Räume moderieren und Vertrauen ermöglichen.
Bertelsmann und die Direct Group standen damit vor einer grundlegenden Frage:
Wie kann eine Medienmarke im digitalen Zeitalter gesellschaftlich relevant bleiben, ohne selbst zur sozialen Plattform zu werden?
Das Problem war nicht fehlende Kommunikation.
Es war fehlende kuratierte Nähe.

Die zentrale Fragestellung

Wie lässt sich ein soziales Netzwerk denken, das nicht auf Reichweite, Selbstdarstellung oder Aufmerksamkeit basiert, sondern auf realer Nachbarschaft, gegenseitiger Hilfe und Transparenz?
Und welche Rolle kann eine Marke wie Bertelsmann dabei einnehmen, ohne den sozialen Raum zu dominieren oder zu instrumentalisieren?

Was BSI gemacht hat

BSI hat das Konzept nicht als klassisches Social Network entwickelt, sondern als lokales Vertrauens- und Beziehungssystem. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass Nachbarschaft keine Community im digitalen Sinne ist, sondern ein sensibler sozialer Raum mit eigenen Regeln: Nähe ohne Wahlfreiheit, Vertrauen ohne Bühne, Hilfe ohne Gegenleistung.
Auf dieser Basis entwickelte BSI das Konzept My Neighborhood Circles – ein digitales Nachbarschaftsnetzwerk, das ausschließlich lokal funktioniert und reale Orte, Menschen und Bedürfnisse miteinander verbindet. Nutzer werden nicht über Interessen, sondern über Wohnnähe miteinander verknüpft. Sichtbarkeit entsteht nicht öffentlich, sondern kontrolliert, kontextuell und situationsbezogen.
Zentral war die bewusste Begrenzung:
Keine Reichweitenmechaniken.
Keine algorithmische Eskalation.
Keine performative Selbstdarstellung.
Stattdessen wurde das Netzwerk als Hilfs- und Austauschraum konzipiert: Werkzeuge leihen, Pakete annehmen, Kinderbetreuung organisieren, Informationen teilen, Unterstützung anbieten. Flohmärkte abhalten, Interaktion entsteht nicht aus Content, sondern aus Bedarf.
Die Rolle von Bertelsmann wurde dabei neu definiert. Nicht als Betreiber, nicht als Sender – sondern als Kurator und Moderator. Die Marke schafft Regeln, sorgt für Transparenz, schützt vor Missbrauch und garantiert Verlässlichkeit, ohne selbst im Vordergrund zu stehen. Vertrauen entsteht nicht durch Nähe zur Marke, sondern durch Stabilität des Systems.
Der Perspektivwechsel war zentral:
Das Netzwerk ist kein Medium.
Es ist eine soziale Infrastruktur.

Die konzeptionelle Wirkung

Das vorgestellte Modell zeigt, wie digitale Plattformen lokale Gemeinschaft stärken können, ohne sie zu überformen. Nachbarschaft wird nicht digitalisiert, sondern lesbar gemacht. Hilfe wird nicht organisiert, sondern ermöglicht. Vertrauen entsteht nicht durch Bewertung, sondern durch Wiederholung und Sichtbarkeit im Alltag.
Für Bertelsmann eröffnete das Konzept eine neue strategische Rolle: nicht als Content-Anbieter, sondern als Ermöglicher sozialer Räume. Die Marke wird nicht lauter, sondern relevanter – durch Zurückhaltung, Struktur und Verantwortung.
Aus einer abstrakten Plattformidee entsteht ein konkreter gesellschaftlicher Nutzen.
Aus sozialer Nähe ein gestaltbares System.

BSI-Perspektive

BSI hat kein soziales Netzwerk erfunden.
Wir haben Nähe ernst genommen.
Starke Marken entstehen nicht dort, wo sie sichtbar sind.
Sondern dort, wo sie Vertrauen ermöglichen, ohne es zu vereinnahmen.
Nicht jede Plattform verbindet.
Aber jede funktionierende Gemeinschaft braucht Regeln, Schutz und einen verantwortlichen Rahmen.
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BSI Office Hamburg