Lufthansa – Social Seating

Wie BSI das Vielfliegerprogramm über Social Seating zu einem lebendigen Marken- und Entscheidungssystem erweitert hat

Ausgangspunkt

Als eine der weltweit führenden Fluggesellschaften verfügte Lufthansa mit Miles & More über ein hoch etabliertes Vielfliegerprogramm. Reichweite, Nutzung und Bekanntheit waren hoch. Gleichzeitig zeigte sich jedoch eine strukturelle Erosion der Bindungswirkung: Kunden sammelten Meilen – aber sie lebten nicht mit der Marke.
Austausch, Inspiration und Orientierung fanden zunehmend außerhalb des Systems statt: auf Drittplattformen, in Foren, auf Social Media oder in privaten Netzwerken. Loyalität wurde funktional aufrechterhalten – über Preis, Status und Verfügbarkeit –, aber psychologisch nicht mehr vertieft. Das Programm funktionierte operativ, blieb jedoch emotional und sozial unteraktiv.
Das Problem lag nicht in fehlenden Incentives oder zu schwachen Vorteilen.
Es lag in der Abwesenheit eines sozialen und psychologischen Ankers im Reisealltag der Vielflieger.

Die zentrale Fragestellung

Wie lässt sich Markenbindung in einem hochkompetitiven, austauschbaren Markt vertiefen, ohne zusätzliche Rabatte, neue Statusstufen oder kurzfristige Aktivierungsmechaniken einzuführen?
Und wie kann ein Vielfliegerprogramm vom reinen Belohnungs- und Abrechnungssystem zu einem aktiven Bestandteil des alltäglichen Reiselebens werden – ohne künstliche Community-Inszenierung?

Was BSI gemacht hat

BSI hat das Vorhaben bewusst nicht als klassisches Plattform- oder Community-Projekt gedacht. Ausgangspunkt war vielmehr die Frage, wie das bestehende Entscheidungs- und Loyalitätssystem psychologisch erweitert werden kann, ohne seine Logik zu brechen.
Die Analyse der Lufthansa Personas zeigte ein klares Muster:
Vielflieger suchen weniger zusätzliche Vorteile als Orientierung, Zugehörigkeit und leise Formen des Austauschs. Reisen ist für sie Routine – gleichzeitig aber auch Identitätsarbeit. Status, Routenwissen und Erfahrung strukturieren ihr Selbstbild, werden jedoch bislang kaum sozial eingebettet.
Auf dieser Basis entwickelte BSI das Konzept des Social Seating:
kein lauter Community-Raum, kein klassisches Social Network, sondern ein sozialer Resonanzraum innerhalb des bestehenden Vielflieger-Ökosystems.
Social Seating beschreibt eine Form von sozialer Nähe ohne Verpflichtung. Vergleichbar mit der Situation in einer Lounge oder im Flugzeug: Menschen sitzen nebeneinander, teilen Kontexte, Erfahrungen und Wissen – ohne Intimitätszwang, aber mit potenzieller Anschlussfähigkeit. Genau diese Logik wurde digital übersetzt.
Die Community wurde so konzipiert, dass sie das Vielfliegerprogramm nicht ergänzt, sondern fortsetzt:
  • Austausch über Routen, Destinationen und Reisegewohnheiten
  • Teilen von Erfahrungswissen und Empfehlungen
  • Fragen stellen, beobachten, mitlesen oder punktuell beitragen
Entscheidend dabei: Der Austausch war nicht anonym, sondern eingebettet in Status, Historie und Interessen. Sichtbarkeit entstand nicht durch Lautstärke, sondern durch Relevanz. Engagement wurde nicht erzwungen, sondern sinnvoll belohnt, indem bestehende Meilen- und Statuslogiken gezielt auf soziale Beiträge übertragen wurden.
Der zentrale Perspektivwechsel lag darin, Interaktion mit Bedeutung in den Mittelpunkt zu stellen. Nicht Content-Produktion, sondern Beziehung im Kontext von Entscheidung, Erfahrung und Orientierung.

Die Wirkung

Das entwickelte Modell zeigt, wie Markenbindung im Airline-Kontext als lebendiges Entscheidungs- und Loyalitätssystem gedacht werden kann. Community wird nicht als zusätzlicher Kanal verstanden, sondern als soziale Infrastruktur innerhalb des bestehenden Programms.
Social Seating erzeugt Nähe ohne Überforderung, Zugehörigkeit ohne Zwang und Austausch ohne Inszenierung. Vielflieger bleiben nicht nur Kunden eines Programms, sondern werden Teil eines Systems, das ihren Reisealltag spiegelt und strukturiert.
Interaktion gewinnt dadurch an Bedeutung, Austausch an Relevanz und Loyalität an Tiefe – nicht als Ergebnis einzelner Maßnahmen, sondern als Effekt eines integrierten, psychologisch anschlussfähigen Systems. Aus einem klassischen Vielfliegerprogramm entsteht ein Markenerlebnis, das näher am realen Reiseleben liegt und Bindung dauerhaft verankert.

BSI-Perspektive

BSI hat hier keine Community „gebaut“.
Wir haben Loyalität sozialisiert.
Markenbindung entsteht nicht durch immer neue Vorteile.
Sie entsteht dort, wo Menschen Teil eines sinnvollen, anschlussfähigen Systems werden.
Nicht jede Interaktion verkauft.
Aber jede starke Marke braucht Räume,
in denen Beziehung entstehen kann – leise, freiwillig und relevant.
Kontakt
BSI Office Hamburg