BSI hat das Vorhaben bewusst nicht als klassisches Plattform- oder Community-Projekt gedacht. Ausgangspunkt war vielmehr die Frage, wie das bestehende Entscheidungs- und Loyalitätssystem psychologisch erweitert werden kann, ohne seine Logik zu brechen.
Die Analyse der Lufthansa Personas zeigte ein klares Muster:
Vielflieger suchen weniger zusätzliche Vorteile als Orientierung, Zugehörigkeit und leise Formen des Austauschs. Reisen ist für sie Routine – gleichzeitig aber auch Identitätsarbeit. Status, Routenwissen und Erfahrung strukturieren ihr Selbstbild, werden jedoch bislang kaum sozial eingebettet.
Auf dieser Basis entwickelte BSI das Konzept des Social Seating:
kein lauter Community-Raum, kein klassisches Social Network, sondern ein sozialer Resonanzraum innerhalb des bestehenden Vielflieger-Ökosystems.
Social Seating beschreibt eine Form von sozialer Nähe ohne Verpflichtung. Vergleichbar mit der Situation in einer Lounge oder im Flugzeug: Menschen sitzen nebeneinander, teilen Kontexte, Erfahrungen und Wissen – ohne Intimitätszwang, aber mit potenzieller Anschlussfähigkeit. Genau diese Logik wurde digital übersetzt.
Die Community wurde so konzipiert, dass sie das Vielfliegerprogramm nicht ergänzt, sondern fortsetzt:
- Austausch über Routen, Destinationen und Reisegewohnheiten
- Teilen von Erfahrungswissen und Empfehlungen
- Fragen stellen, beobachten, mitlesen oder punktuell beitragen
Entscheidend dabei: Der Austausch war nicht anonym, sondern eingebettet in Status, Historie und Interessen. Sichtbarkeit entstand nicht durch Lautstärke, sondern durch Relevanz. Engagement wurde nicht erzwungen, sondern sinnvoll belohnt, indem bestehende Meilen- und Statuslogiken gezielt auf soziale Beiträge übertragen wurden.
Der zentrale Perspektivwechsel lag darin, Interaktion mit Bedeutung in den Mittelpunkt zu stellen. Nicht Content-Produktion, sondern Beziehung im Kontext von Entscheidung, Erfahrung und Orientierung.