Tchibo – Brand Motivation Logic

Wie BSI das Markenportfolio von Tchibo wieder führbar gemacht hat – und warum Vielfalt ohne Struktur an Wirkung verliert

Ausgangspunkt

Tchibo ist eine der stärksten Marken Deutschlands – und zugleich eine der komplexesten. Kaffee, Non-Food, Wochenwelten, Nachhaltigkeit, Services, digitale Angebote und zahlreiche Submarken existierten parallel. Über Jahre war diese Vielfalt ein zentraler Erfolgsfaktor.
Gleichzeitig wuchs jedoch ein strukturelles Problem: Das Portfolio war reich, aber zunehmend schwer lesbar. Marken, Submarken und Themen überlagerten sich, ohne klar zu zeigen, welche Rolle sie im Kopf der Konsumenten spielen. Orientierung entstand weniger durch Führung als durch Gewohnheit. Entscheidungen wurden nicht abgelehnt, sondern vereinfacht, vertagt oder routiniert getroffen.
Das Problem war nicht zu viel Marke.
Es war zu wenig Ordnung in der Bedeutung der Anlässe.

Die zentrale Fragestellung

Wie muss ein Markenportfolio aufgebaut sein, damit Vielfalt Orientierung schafft statt Verwirrung?
Und wie lassen sich Marken und Submarken so strukturieren, dass sie unterschiedliche Motive bedienen, ohne sich gegenseitig zu entwerten oder Kannibalisierung zu erzeugen?

Was BSI gemacht hat

BSI hat das Markenportfolio nicht aus Organisations-, Sortiments- oder Kanallogik betrachtet, sondern aus einer motivationalen Perspektive. Ausgangspunkt war die Frage, warum Menschen Tchibo nutzen – und welche inneren Bedürfnisse, Spannungen und Routinen dabei tatsächlich angesprochen werden. Marken wurden nicht als Absender verstanden, sondern als psychologische Funktionen im Alltag der Konsumenten.
Auf Basis einer tiefenstrukturellen Analyse wurden die psychologischen Funktionen, Erwartungshaltungen und Nutzungskontexte identifiziert, die den Marken- und Submarkenangeboten von Tchibo zugrunde liegen. Die Auswertung stützt sich auf rund 3.198 Datensätze aus konsumentenzentrierten Analysen.
Dabei zeigte sich ein klares Muster: Viele Submarken erfüllten ähnliche Motive, unterschieden sich jedoch primär auf Produktebene. Andere verfügten über eine eigenständige psychologische Rolle, waren im Portfolio jedoch nicht eindeutig verankert. Die Folge war keine Ablehnung der Marke, sondern eine diffuse Nutzung – funktional, aber emotional nicht bindend.
BSI hat diese Muster systematisch geordnet. Marken und Submarken wurden entlang ihrer motivationalen Kernfunktion positioniert: Sicherheit, Entlastung, Entdeckung, Kontrolle und Belohnung. Daraus entstand kein neues Markenbild, sondern eine klare innere Architektur. Überschneidungen wurden sichtbar gemacht, Kannibalisierung benannt und White Spots identifiziert – nicht theoretisch, sondern konsequent aus Konsumentensicht.
Entscheidend war dabei der Perspektivwechsel: Nicht jede Submarke muss laut sein. Aber jede muss wissen, wofür sie steht. Erst dadurch wird ein Portfolio führbar – kommunikativ, strategisch und operativ.

Die Wirkung

Tchibo gewann Klarheit darüber, welche Marken welche Aufgabe erfüllen – und welche nicht. Das Portfolio wurde nicht verschlankt, sondern geführt. Kommunikationslogiken ließen sich sauber trennen, Sortimentsentscheidungen präziser treffen und Marken- sowie Mediainvestitionen gezielter steuern.
Entscheidend war dabei nicht Reduktion, sondern Übersetzung: Vielfalt blieb erhalten, verlor jedoch ihre Unschärfe. Markenführung verlagerte sich von Sichtbarkeit hin zu Orientierung. Das Portfolio wurde nicht nur verständlicher, sondern langfristig steuerbar – über Kanäle, Sortimente, Medien und Organisationsgrenzen hinweg.

BSI-Perspektive

BSI hat bei Tchibo keine Marken neu erfunden.
Wir haben ihre Rollen geklärt.
Ein starkes Markenportfolio entsteht nicht durch Addition.
Es entsteht durch motivationale Ordnung.
Nicht die Anzahl der Marken entscheidet über Stärke.
Sondern ihre innere Logik.
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BSI Office Hamburg